Mit seinen 192000 Hektaren ist der Pollino-Nationalpark der größte Naturpark Italiens. Und dementsprechend groß ist auch das Gefühl der Freiheit! Eine unbeschreiblich wilde und ursprüngliche Natur zwischen zwei Meeren, auf die sich von den jeweiligen Randgebieten aus auch immer wieder der Blick öffnet. Aus schier grenzenlosen Wäldern ragen die kahlen Gipfel aus Kalkgestein wie Glatzen hervor. Wir wandern über endlose Hochweiden mit Panzerkiefern, dem Symbol des Nationalparks, und durch tiefe Schluchten, in denen Königsadler ihre Nistplätze finden, und stoßen dabei auf Klöster und Grotten, wo sich schon vor über tausend Jahren griechisch-orthodoxe Mönche auf der Flucht vor der Christenverfolgung versteckt haben.
All dies wollen wir gemeinsam entdecken!
…hier die Bilder dieser Woche

Montag: Wir erkunden die nähere Umgebung: Serra dell’abete ca. 5.40 Std., HM 895 m

Dienstag: Der Beginn der (Kunst)Geschichte Kalabriens: Von Papasidero zur Grotta del Romito
ca. 5 Std., HM 178 m
Mittwoch: Die Königsetappe: Monte Pollino 2248 m.ü.M. ca. 7 Std., HM 910 m

Donnerstag: Relax, Kultur und eine teuflische Brücke: Von Civita zur Raganello-Schlucht
ca. 2 Std., HM 270 m
Freitag: Ein Abstecher ins Orsomarso-Gebirge: Monte Palanuda ca. 6 Std., HM 500 m

Samstag: Hoch über der Ebene von Sibari: Von Cerchiara auf den Monte Sellaro ca. 5.10 Std.,HM 700 m)

hier ein Bericht von Michaela Oberhollenzer:

Es gibt viele gute Gründe, um sich für eine Wanderwoche anzumelden. 36 Personen haben sich für das Abenteuer Pollino Naturpark entschieden und wir genießen die wertvollen Urlaubstage sehr.
Monte Pollino, Basilikata, Kalabrien, vor unserer Reise waren das wohl für die meisten von uns Fremdwörter, die uns nicht viel sagten. Jetzt, nach der Wanderwoche zergehen sie wie Honig auf der Zunge und lassen wunderschöne Bilder aus dem Gedächtnis aufsteigen: von seltenen Orchideen, von naturbelassenen Blumenwiesen und von einer besonderen Tier- und Pflanzenwelt, von den vielen Hügeln, der guten Trinkwasserqualität, der durchwegs dünnen Besiedelung und von viel unberührter Natur im größten Naturpark Italiens mit 192.000 ha. Damit ist er auch einer der größten in Europa . Er erstreckt sich über zwei italienische Regionen: Basilikata und Kalabrien und über drei Provinzen: Cosenza, Matera und Potenza. Gegründet wurde er 1993 und hier sind Rehe, Wölfe, Wildschweine und eine eigene Art von Eichhörnchen heimisch. Ebenso finden sich viele botanische Raritäten, ein wahrer Seh- und Riechspaß.
Die Unterschutzstellung wurde nicht von allen gerngesehen. Waldbrände waren die Folge, die aber zum Glück nie das Kerngebiet mit den Panzerkiefern betrafen.
Und so manches Klischee werden wir in den kommenden Tagen versenken.
Der Abflug war am frühen Abend, und so werden uns all jene, die einen Fensterplatz hatten, von einer überwältigenden Aussicht erzählen, da der Flug über die Zillertaler Alpen, das Tauferertal, das Brunecker Becken, Tofana und später auch über Venedig ging, dann aufs offene Meer hinaus… Beim Sonnenuntergang um 19.45 verlassen wir das Flugzeug in Lamezia Terme und während ein Rauschgifthund die Koffer am Fließband beschnüffelt, werden die Ausweise der 101 Passagiere genauestens kontrolliert. Michele, unser Busfahrer holt uns am Flughafen ab und bringt uns über eine gute Autobahn ins 172 km entfernte Rotonda. Diese Autobahn wurde unter der Amtszeit von Ministerpräsident Renzi eingeweiht und sie ist gebührenfrei. Und schon ist das Klischee von einem armen Süditalien mit schlechten Straßen versenkt.

Montag, 22. Mai Serra dell ´Abete 1401 m
Während der gesamten Wanderwoche wird uns die Wanderführerin Sabine begleiten. Sie ist gebürtig aus der Schweiz, und lebt seit 19 Jahren in der Nähe von Tropea und in dieser Woche wird sie Orchideen lieben lernen.
Wir fahren heute an einem der wenigen großen Betriebe vorbei, hier liegt die Quelle und Abfüllanlage vom Mineralwasser „San Benedetto“, das auch in Südtirol verkauft wird.
Für unsere Wanderung von 9 km brauchen wir 3,10 Stunden und bewältigen 900 Höhenmeter, gut versorgt mit einem Lunchpaket der Fa. Serbus-Oberhollenzer, die uns auch gleich den passenden Rucksack dazu mit auf die Reise gegeben hat.
Am Platz steht ein großer Baum, unseren „Kirschtamichln“ ähnlich. Es hat sich der Brauch erhalten, dass der Baum von Ochsengespannen gezogen wird. Wir gehen die engen Gassen hinauf ins malerische, in den Hang hineingebaute Dörfchen Viggianello, in der Dorfkirche fallen der schöne Holzüberboden und die große Krippe auf. Bald nach dem Dorf schließt sich uns ein netter Hund an, der uns den ganzen Tag nicht mehr von der Seite weichen wird. Unser Höhenweg führt vorbei an alten Eichen, blühendem Ginster, vielen Wildkräutern, Wildnarzissen, Lavendel, und ersten Orchideen und er entwickelt sich zu einer wahren Aromatherapie. In dieser Gegend soll es auch viele Steinpilze geben.Bis zum Abend werden wir 12 Orchideenarten, darunter auch sehr seltene gesehen haben. Je höher wir steigen, umso besser wird die Aussicht über das Tal des Flusses Mercure, der ins Thyrrenische Meer fließt auf der einen, und dem Pollinomassiv mit seinen Zweitausendern und Schneeresten auf der anderen Seite. Wir überqueren mehrere Hügel,durchwegs mit Gras bewachsen und mit Steinen durchsetzt, immer wieder überrascht von der reichen Blüte, die uns hier begleitet. Für die Fotografen gibt es jede Menge Motive. Der Blick geht auch hinunter nach Viggianello und hinüber nach Rotonda. Die Wühlspuren im Gipfelbereich werden von Wildschweinen sein, vermutet Sabine. Mit dem Abstieg auf der anderen Seite schließen wir unsere heutige Wanderung ab und verabschieden einen glücklichen und vollgefressenen Vierbeiner..

Dienstag, Grotta del Romito und Papasidero
Der Bus bringt uns in einer Stunde zu unserem Ausgangspunkt , wo wir auf einer Teerstraße, die zur Orchideenstrasse wird, starten. Hier gedeihen auch Wildspargel, Weinreben, und schon entdeckt Herbert eine neue Orchidee. Der weitere Wegverlauf präsentiert noch 6 Orchideenarten. Nach der Mittagsrast besichtigen wir die 1961 wiederentdeckte „Grotta del Romito“ aus Kalkstein. Berühmt wurde der 34 m lange Felsüberhang mit der daran anschließenden 25 m langen Höhle, die wir besichtigen können, durch den Fund von steinzeitlichen Felsritzzeichnungen. Ausgrabungen in den 1960er Jahren förderten die detailgetreue, rund 12000 Jahre alte Darstellung zweier Urrinder auf einem Felsblock zutage. Außerhalb der Höhle werden drei alte Zeltformen gezeigt. Unser Rundweg führt hinab in den Wald, begleitet von Kuckucksrufen, über eine 70 m lange Brücke aus dem Jahre 2000, und immer wieder auf und ab durch Steineichenwald, Waldbrandgebiete, Wasserstellen, Kaktusfeigen, einer Smaragdeidechse, zum Dörfchen Papasidero, wo das Kirchlein Santa Maria di Costantinopoli am Felsen über einer Schlucht thront, die Steinbrücke bringt uns auf die andere Flussseite und auf schönem Steinpflaster gehts hinauf nach Papasidero, wo die Wirtsleute froh sind, wenn ein paar durstige Wanderer kommen. Die Freundlichkeit, die Höflichkeit und die Freude über unsere Anwesenheit fallen auf. So mag es auch in Südtirol mit dem Tourismus angefangen haben. Nach 4,5 Stunden, 17,5 km und 450 Höhenmetern freuen wir uns schon sehr aufs Abendessen, als Draufgabe spendiert der Hausherr heute seinen selbstgemachten Wildfenchellikör.

Mittwoch, Monte Pollino, 2248m,
Die heutige Fahrt führt über eine Höhenstraße von der Region Basilikata nach Kalabrien. Auf der Anhöhe, die zugleich die Grenze ist, erwartet uns eine Kapelle und eine große Madonnen Statue . Ein schöner Aussichtspunkt hinüber ins Orsomarsogebiet, einer Skilanglaufgegend. Im Winter fällt hier Schnee bis an die Küste, durchwegs auch mit einigen Minusgraden. Weiter geht die Straße durch einen großen Buchenwald, ein Wildhase verirrt sich auf die Straße und legt ein beachtliches Tempo vor, bis er es dann endlich schafft, die Straße zu verlassen. Heute sehen die Orchideenfreunde ihre Lieblinge schon vom Bus aus. Nach 40 Minuten Fahrt lässt uns Michele beim Colle del Impiso auf 1560 m aussteigen, noch ist das Wetter gut. Nach einer guten Stunde geht der Blick hinauf zu den ersten Panzerkiefern, dem Symbol des Nationalparks. Wir kommen rasch höher und als wir bei den ersten Panzerkiefern an ausgesetzter Stelle ankommen, sieht man frühere Blitzeinschläge und es dauert nicht lange, dann folgt dem Sonnenschein ein leichter Regen, wir setzen die Wanderung natürlich fort, es gibt ja kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Der Regen wird stärker, ein Unwetter kommt näher, und leichter Hagel begleitet uns. Wir queren den langen Hang, die Orchideen und Blumen bekommen jetzt nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient hätten. Ca. 300 Höhenmeter trennen uns vom Gipfel, aber aus Sicherheitsgründen lassen wir den Gipfel nun im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und steigen ab zu den uralten und riesigen Panzerkiefern, das Aussehen ihrer Rinde, einem Schildkrötenpanzer gleich, hat ihnen den Namen gegeben. Widerstandsfähig trotzen sie der ausgesetzten Lage, und auch nach dem Absterben faulen sie lange nicht. Der älteste der Bäume hat auch einen Namen: es ist der „Patriarch“. Es regnet immer noch, bald kommen wir hinunter in den rutschigen Laubwald mit seinem aufgeweichtem Waldweg und sobald wir alle durch sind, sieht der Weg wie von Wildschweinen durchwühlt aus. Nach der ausgedehnten Mittagsrast am inzwischen wieder sonnigen Eck steigen wir ab zu einer Wiese mit einem Biwakhäuschen, wohin auch die fünf Carabinieri forestali, die wir oben am Grat gesehen haben, geflüchtet sind, es hat wieder Regen eingesetzt. Wir singen das Lied: Wahre Freundschaft“ und im Gespräch stellt sich heraus, dass sie den Misurina See kennen. Unsere Wege trennen sich dann, und am Parkplatz angelangt, erwarten uns zwei Händler mit bestem Käse und Andenkenartikeln. Zurück im Hotel können wir unser Talent als Schlammentferner von Schuhen und Hose unter Beweis stellen. Trotz des Unwetters haben wir in 4,5 Stunden 570 Höhenmeter und 14,5 km zurückgelegt, das sind genau 22691 Schritte. Und wir können uns wieder auf ein hervorragendes und reichhaltiges Abendessen mit Spezialitäten aus der Region freuen. Unser Hotel, das schönste und größte in der Gegend, ist auf Umweltfreundlichkeit, Sauberkeit und Freundlichkeit bedacht, sowie auf hervorragendes Essen und das Servieren regionaler Produkte. An unserem letzten Tag werden wir ein Rotonda Peperonipflänzchen für unseren Garten mit auf die Reise bekommen.

Donnerstag, von Civita zur Raganello Schlucht mit der Teufelsbrücke
Unsere 35 minütige Fahrt bringt uns in die fruchtbare Ebene von Sibari mit viel Getreide, Oliven- und Pfirsichbäumen, aber auch Brachland, in die Nähe des Meeres.
Der Ort Civita , mit seinen 700 Einwohnern thront auf einem Hügel und wurde 1476 von albanischen Flüchtlingen gegründet und platzsparend in den Hang hineingebaut. Das albanische Brauchtum und ihre Sprache haben sich bis heute erhalten, die zweisprachigen Schilder zeugen davon. Wir besuchen das Museum, um uns ein Bild von der Geschichte und den Tradition der Arbereshe zu machen. Ihre mit viel Goldfaden bestickte Trachten, die gehäkelten Spitzen und altes Werkzeug geben ein beredtes Zeugnis. Wir erfahren hier auch, dass früher die Ruten des Ginsterstrauches, ähnlich unserem Flachs, zu Tuch für Decken und Kleider verarbeitet wurden. Wir stellen immer wieder fest, wie bekannt unsere Heimat doch ist. Die Bäckersfrau am Ort kennt die Provinz Trient. Unser Weg führt auf gut ausgebautem Plattenweg hinunter in die Schlucht, die im Laufe von Jahrtausenden durch Erosion entstanden ist. Für Untrainierte oder Stöckelschuhtouristen bietet sich hier ein Unimog als Schluchtentaxi an. Vorbei am Maulbeerbaum mit reifen Früchtchen, blühendem Granatapfelbaum und Ziersträuchern. In einem einzigen Bogen überspannt die Brücke den Raganello Fluss und bietet einen großartigen Blick in die Tiefe. Die Wände der „Gola del Raganello“ steigen bis zu 700 m hoch und bieten auch Steinadler und Uhu eine Heimat. Für Wagemutige wird in der Schlucht Canyoning und Rafting angeboten. Wir steigen auf einem gut befestigtem Weg hinab ins Bachbett und betrachten das Ganze auch von unten. Beim Aufstiegstop bei der kleinen Bar können auch Spezialitäten eingekauft werden, und ein Maulbeerbaum, diesmal mit dunklen Früchten, erwartet uns. Das Mittagessen in der Pizzeria besteht heute aus herrlichen Antipasti, und es ist durchaus sinnvoll, dass immer wieder Spezialitäten gebracht werden, denn alles auf einmal hätte nie und nimmer auf unseren Tellern Platz gehabt. Unser nächster Besuch gilt der wunderschönen orthodoxen Dorfkirche wo wir ein Marienlied singen. Hier haben auch je ein Gemälde von Padre Pio und Mutter Teresa einen Platz bekommen. Abschließend gibt es in der Gelateria noch ein gutes Eis, und es wird schmunzelnd festgestellt, dass beim Eisessen so jeder seine eigene Schlecktechnik hat. Bei der Rückfahrt machen wir heute einen Abstecher ins Zentrum von Rotonda, ebenfalls auf einem Hügel erbaut, wir besuchen das Kreuz auf der Spitze, haben einen schönen Blick zu unserem Hotel Miramonti auf der Anhöhe gegenüber, kehren in den zwei Kirchen ein, und stellen fest, dass wir uns hier in einer biblischen Gegend befinden: wird in der Bibel doch der Ginsterstrauch und der Maulbeerbaum erwähnt. Unser heutiges Tagespensum: 6 km in 2,5 Stunden mit 480 Höhenmetern. Die Markierung ist durchwegs einheitlich und gut.

Freitag, von Cerchiara auf den Monte Sellaro 1439 m
Bei kühlem und windigem Wetter starten wir wieder um 8,30 mit dem Bus zum heutigen Wandertag, in die Gegend, wo wir gestern waren. Vom Bus aus ist Civita und die Raganello Schlucht mit der Brücke zu sehen. Das Material aus der Schlucht liegt hier im breiten und steinigen Bachbett, während der Fluss gemächlich dem nahen Ionischen Meer zufließt. Nach einer Stunde Fahrt haben wir Cherchiara erreicht, auch dies ein Dörfchen, für das wohl die italienischen Kleinautos erfunden worden sind. Nach gut 2 Stunden auf einem alten Maultierpfad und mit Blockfelsen übersäten Hang sind wir beim ersten Gipfelkreuz hoch über Cerchiara, nebenan einige Sendemasten. Auf diesem Wanderweg haben wir den seltenen Diptam zu Gesicht bekommen. Wir setzen unseren Weg durch ein breites Steintor fort und wandern aussichtsreich auf einem breiten Fahrweg am Hang entlang. Abwärts und unterhalb imposanter Felswände vorbei erreichen wir schon bald die Gebäude beim großen Kloster S. Maria dell ´Armi. Die Anfänge dieses Ortes reichen weit zurück, in den Grotten hausten zunächst byzantinische Einsiedlermönche. Später wurde das Kloster vor diese Grotten gebaut , und auf Initiative eines Papstes wurde es katholisch, inzwischen ist das Kloster aufgelassen. Eine dieser Grotten bildet das Kirchlein, das gerade restauriert wird. Geschmückt mit kostbaren Marmorintarsien, führt eine ausgetretene Marmorstiege hinauf in die kleine Grotte und hinein zum Ziel zahlreicher Pilger: es ist ein in Stein geritztes Abbild einer Madonna. Das Besondere an dieser Tafel ist auch, dass sie einen Tag vor der Abdankung von Papst Benedikt XVI auf den Petersplatz gebracht wurde.
Unser Weg führt dann weiter und wir steigen in langgezogenen Schleifen hinauf , erst durch niedrigen Buschwald, der Weg ist hier von den Rindern ausgetreten, später hinauf durch Wiesen zur Scharte und weiter dem verkarsteten Gipfelaufbau des Monte Sellaro entgegen, den wir nach italienischer Wandermanier um 13,50 erreichen. Der 360 Grad Blick ist wunderschön, der Regen drüben am Monte Pollino gefällt uns weniger. Das Pugliese Brot und den spendierten Käse von Sabine lassen wir uns jetzt, fest verpackt in unseren Jacken, schmecken. Das Klischee vom warmen Süden Italiens ist am Zerbrechen. Sabine macht uns aufmerksam, dass der Frühling hier die schönste Jahreszeit zum Wandern ist. Nach der Ginsterblüte wird es großteils trocken und dementsprechend auch brandgefährlich.
Auf dem Rückweg schlagen wir einen anderen Weg ein, ein Eichhörnchen turnt im nahen Baum, und plötzlich sehen wir uns wilden Pfingstrosen gegenüber, aber in so einer großen Menge, wie sie selbst erfahrenen Blumenfreunden neu ist. Der Vorrat reicht hier für alle, aber wir „pflücken“ sie ja nur mit unseren Kameras, deshalb können sich die nächsten Wanderer, wenn es überhaupt welche gibt, auch an diesen Blumen erfreuen.
Zurück im Dorf Cerchiara lassen wir den Wirt am Parkplatz etwas verdienen. Auf der heutigen Rückfahrt werden wir mehrere große Schafherden sehen. Und abends im Speisesaal, während wir uns über die heutige Tagesleistung unterhalten werden, wir sind 5Stunden gewandert, und haben 870 Höhenmeter und 14 km zurückgelegt, gibt es wieder einen fulminanten Sonnenuntergang, vom Speisesaal aus gut sichtbar.

Samstag, Monte Palanuda 1632 m
Vor der Abfahrt ist heute Termin fürs Gruppenfoto, schließlich braucht der Wirt Material für den nächsten Katalog…? Unsere Fahrt führt uns heute in südwestliche Richtung,an Kornfeldern mit vielen Mohnblumen vorbei, an Kuhherden, und nach 40 Minuten erreichen wir den abgelegenen Parkplatz. Und schon auf der ersten Wiese blüht eine neue Orchidee. Unser Weg führt uns 180 Grad um den Berg herum, großteils sind wir dann im dichten Buchen- und Eichenwald. Auf der ersten Lichtung beginnt dann die Arbeit für die Freunde der Fotografie, kniend, hockend, liegend, suchen wir nach der besten Position für unsere Fotos. Und wir staunen immer wieder, wie mit kundiger Hand und viel Wissen auch aus alltäglichen Blumen fotografische Kunstwerke werden. Wir wandern weiter und kreuzen die ehemalige Trasse der Bahn für den Holztransport. Heute kommen wir den Wildschweinen recht nahe, gerade kommen wir an zwei Suhlen vorbei und Schlammspuren an den nahen Bäumen künden von ihrer Nähe. Im nahen Wald finden wir viel Bärlauch, und an der Waldgrenze blüht der gelbe Affodill. Der kurze Gipfelaufbau ist wieder mit Blumen übersät, und der Gipfel erwartet uns mit einer schönen Aussicht. Der Blick geht hinüber zur Stadt Scalea am thyrrenischen Meer, der Monte Pollino ist nicht zu übersehen, ist er doch der zweithöchste Gipfel im gesamten Naturpark. Jetzt lassen wir uns erst mal gemütlich nieder und genießen das Beisammensein mit Sabine, denn heute Abend wird sie uns verlassen, und zu einer Gruppe Schweizer wechseln, die die Gegend zu kurzen Wanderungen und vor allem am Meer nutzen werden. Am Abend werden wir sagen, dass wir heute den blumenreichsten Tag erlebt haben, und wir wissen jetzt auch, dass das Waldvögelein nicht fliegt, sondern duftet.
Leider wird bei der heutigen Wanderung ein neues Handy mit vielen professionellen Fotos verloren.
Heute haben wir in 4 Stunden 13 km zurückgelegt und 700 Höhenmeter überwunden.
Als es abends dann selbstgemachte Orecchiette mit Wildschweinragu und Polenta mit Wildschweingulasch gibt, fällt es uns wie Schuppen vor Augen, warum die Suhlen leer waren..
Zum Abschluss unserer Urlaubswoche werden wir mit einer großen Torte und Sekt überrascht.

Sonntag, Zeit fürs Museum und fürs Krippendorf Morano Calabro
Nachdem die Koffer alle fein säuberlich und nach Ankunftsort sortiert, von unserem Profi Lois verstaut worden sind, heißt es Abschied nehmen. Heute bietet sich die Gelegenheit, eine Führung im Museum in Rotonda, das eigens für uns geöffnet wird, zu besuchen. Wir finden ein interessant eingerichtetes Museum vor, mit Computerspielen zu Flora und Fauna, Wissenswertem zu Brauchtum und Trachten, ausgestopften Tieren und ihrem Lebensraum, begegnen wir sogar einem Wolf. Weiters ist eine Baumscheibe aus dem fernen Jahre 1543 ausgestellt, mit späteren wichtigen Ereignissen eingezeichnet. Was im Museum noch fehlt und als Nächstes drankommen soll, das sind Fotos von Blumen und Tieren. Die Museumsleitung könnte sich glücklich schätzen, wenn es dabei zu einer Zusammenarbeit mit dem AVS St. Lorenzen käme.
Die Weiterfahrt bringt uns in einer halben Stunde nach Morano Calabro. Dieses 4576 Einwohner zählende Städtchen gehört mit zu den schönsten Orten Italiens. Es liegt auf einem Hügel in Sichtweite des Pollinomassives und wird überragt von den Ruinen einer Burg, die zur Zeit der normannischen Herrschaft im frühen Mittelalter erbaut wurde.Aus Gründen der besseren Verteidigung wegen auf einen Hügel hinaufgebaut, mit seinen Gässchen und vielen Treppen. Auch diese Gegend ist von Abwanderung betroffen, aber es gibt noch Idealisten mit guten Ideen. Der Inhaber der Bar unterhalb der schön instandgesetzten und wieder nutzbaren Ruine erzählt uns von seiner Idee, die er in die Tat umgesetzt hat. Er hat 20 Häuschen, die verkauft werden sollten, gekauft, hat sie mit viel Liebe in alter Bauweise mit Stein und Beton restauriert, dabei hat er das Altertum, das ansonsten verloren gegangen wäre, überall mitverwendet und ausgestellt.
Es wird Zeit fürs Mittagessen, das wir unten im Dorf genießen werden. Es ist ein großes Lokal mit viel Andrang. Da werden wir etwas Geduld brauchen. Gedeckt ist mit ginstergelber Stoffserviette, es gibt Antipasti und zum Abschluss einen professionell eingeschenkten geeisten „vecchio amaro del capo“ mit Mandelkuchen. Dann noch ein letzter Blick ins Pollino Massiv, bevor es auf der Autobahn nach Lamezia Terme geht, vorbei an einer Wierer Dachplattenfabrik, an einer großen Fotovoltaikanlage in der Ebene von Sibari, an Windkraftanlagen, kurz am Meer, und schon sind wir am Flughafen, wo wir uns nun von Michele verabschieden. Die Pflänzchen werden jetzt verteilt. Noch wissen wir nicht, dass sich der Flug um Einiges verschieben wird, das heißt: wir fliegen nachts, aber der Kapitän sagt uns, sobald wir über das große Lichtermeer Neapel mit dem Vesuv, der jetzt nur als großer dunkler Krater auszumachen ist, fliegen.
Wohlbehalten erreichen wir alle gegen Mitternacht unser Heim. Morgen wird die erste Aufgabe sein: das Pflänzchen gießen.

Jetzt bleibt uns noch die schöne Aufgabe, euch allen, die ihr am Zustandekommen und an der Durchführung dieser Reise auf irgendeine Weise mitgeholfen habt, ein großes und ehrliches Vergeltsgott zu sagen.
Wir haben uns bei euch und mit euch sehr wohlgefühlt und wir denken gerne an diese Woche zurück!
Stellvertretend: eine Teilnehmerin

Ausschreibepreis – nur für AVS-Mitglieder: Euro 950,00 im Doppelbettzimmer pro Person – Einbettzimmer Aufpreis Euro 70,00 – bei der Anmeldung Anzahlung von Euro 500,00, Restzahlung bis spätestens 12.Mai 2017 mit Überweisung Raika St. Lorenzen Grund „Wanderwoche Pollino“ Konto – IT 80 F 08035 58820 000301235338
Die Kosten beinhalten: beide Bus Transfers, Flüge, Tagesfahrten mit Bus vor Ort, 7x Halbpension ohne Getränke.
Anmeldung: 11. Februar 2017 von 17.00 bis 19.00 Uhr im AVS-Lokal in St. Lorenzen im Vereinshaus 1. Stock (AVS Ausweis mitnehmen).
Nachmeldung bei: Herbert Lauton 348/6929166

Der Veranstalter behält sich Abänderungen im Programm vor – Detailliertes Programm bei der Anmeldung erhältlich
Eventuelle Stornogebühren gehen zu Lasten des Teilnehmers

Mit freundlichen Grüßen
AVS Ortsstelle St. Lorenzen